Bitte informieren Sie sich zusätzlich über die Verhaltensvorschriften vor der Anästhesie und die Anweisungen nach der Anästhesie. Dazu können Sie sich auf unserer Downloadseite die Aufklärungsbögen herunterladen.


Was versteht man unter Allgemeinanästhesie?

Allen Methoden der Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) ist gemeinsam, dass mit Hilfe eines Medikamentes oder (häufiger) einer Kombination von Medikamenten das Bewusstsein ausgeschaltet wird. Abhängig vom Bedarf werden Hypnotika oder Sedativa eingesetzt, um einen schlafähnlichen Zustand zu erzeugen.
Werden zusätzlich starke Schmerzmittel (Analgetika) benutzt, kann die Dosierung der Schlafmedikamente verringert werden.

Bei einigen chirurgischen Eingriffen ist die zusätzliche Verabreichung von Medikamenten, die der Muskelerschlaffung dienen, unabdingbar. Zumindest können die Arbeitsbedingungen für den Chirurgen damit oft erheblich verbessert werden.

Die Medikamente für die Vollnarkose werden entweder über eine Venenverweilkanüle direkt in die Blutbahn gegeben oder sie werden als gasförmige Substanzen der Atemluft beigemischt. Beide Wege der Medikamentengabe können auch kombiniert werden.

Die Zeitdauer zwischen der ersten Medikamentengabe und dem Einschlafen beträgt bei modernen Medikamenten eine halbe bis eine Minute.

Die Dauer der Narkose ist sehr stark davon abhängig, welche Medikamente verwendet wurden, und, wie die Narkose gesteuert wird. Wir benutzen ausschließlich Substanzen, bei denen man die Narkosedauer recht genau der Dauer des operativen Eingriffs anpassen kann. Dabei können zusätzliche moderne Überwachungs- und Steuermethoden zur Anwendung kommen, die (noch) nicht zum Bestandteil der der üblichen Kassenleistungen gehören.

Wir verwenden in unserer Praxis oft Kombinationen aus Vollnarkosen und gleichzeitigen Regionalanästhesieverfahren. Dieser erhöhte Aufwand bringt für Sie wesentliche Vorteile.

Prinzipiell wird der Patient während der Narkose beatmet. Das geschieht in unserer Praxis ausschließlich mit modernen sehr schonend arbeitenden Beatmungsgeräten.

Wenn der Patient eingeschlafen ist und bereits nichts mehr spüren kann, wird die Atemluftentweder über einen Tubus zugeführt (das ist ein weicher Silikonschlauch, der durch die Stimmritze hindurch in die Luftröhre eingeführt  und dort mit einem weichen Ballon abgedichtet wird) oder man verwendet dafür eine Kehlkopfmaske. Diese hat den Vorteil, dass man sie oberhalb des Kehlkopfes im Rachen platziert. Man benötigt zum Einführen dieser Maske kein Hilfsmittel und vermeidet dadurch weitestgehend Rachen- und Stimmschäden. Egal, welche Form der Atemwegssicherung verwendet wird: Sie wird stets bereits wieder entfernt, bevor der Patient das Bewusstsein am Ende der Narkose vollständig wiedererlangt hat.
Sobald der chirurgische Eingriff zu Ende geht, wird auch die Zufuhr der Narkosemedikamente beendet. Der Organismus benötigt noch einige Minuten, um die restlichen Medikamente abzubauen (oder – bei gasförmigen Narkosen – über die Lunge „abzuatmen“). Das Aufwachen geschieht danach ganz von allein. Mit den modernsten Narkoseverfahren kann man es erreichen, dass der Zeitraum zwischen dem Ende der Medikamentengabe und dem Aufwachen bei nur wenigen Minuten liegt. Das gelingt selbst dann, wenn die Operation mehrere Stunden lang angedauert hat.

Nach der Vollnarkose werden Sie im Aufwachraum betreut, bis Sie sich so gut erholt haben, dass wir Sie mit gutem Gewissen entlassen können. Vor der Entlassung haben Sie noch jeweils ein kurzes Gespräch mit dem Chirurgen und mit dem Anästhesisten. Dabei werden Ihnen auch die Regeln für das Verhalten nach der Narkose noch einmal erläutert.

Vorteile einer Vollnarkose:

  • Der diagnostische oder therapeutische Eingriff kann aufgrund der verbesserten körperlichen Ruhe des Patienten schneller und oft auch mit besserem Ergebnis durchgeführt werden.
  • Bei vielen Operationen ist eine Vollnarkose unabdingbare Voraussetzung für deren Durchführbarkeit. In der ambulanten Chirurgie kann man allerdings fast jeden Eingriff auch in einer Regionalanästhesie durchführen.
  • Bewusstsein und Wahrnehmung sind komplett ausgeschaltet. Das bedeutet eine optimale Stressabschirmung.
  • Moderne Vollnarkosen sind sehr sicher und mit modernen Überwachungsverfahren auch hervorragend steuerbar.
  • In der Narkose befinden Sie sich in einem sehr stabilen Zustand.
  • Herzfrequenz und Blutdruck steigen weniger stark an. Damit verbundene Risiken werden vermindert.
  • Während der Narkose werden Sie kontrolliert oder „assistiert“ beatmet. Zur Sicherheit erhalten Sie dabei einen Sauerstoff-Überschuss.
  • Das psychische Trauma eines Eingriffs wird vermieden.
  • Je nach verwendetem Medikament (Hypnotikum) ist die „Entlassungsfähigkeit“ des Patienten oft bereits innerhalb einer Stunde wiederhergestellt.

Nachteile und Risiken einer Vollnarkose:

  • Das Risiko, durch eine Vollnarkose einen ernsthaften Schaden zu erleiden, ist kleiner als die Gefahren einer Autofahrt.
  • Allergien auf Narkosemedikamente können auftreten, sind aber sehr selten.
  • Es gibt eine sehr seltene vererbbare Erkrankung des Muskelstoffwechsels, die durch bestimmte Narkosemedikamente zu Tage treten kann. Wir halten die Einleitungsdosis des Gegenmittels stets auf der benachbarten Intensivstation bereit.
  • Beschädigungen an Zähnen oder an der Stimme können bei modernen Beatmungstechniken weitgehend vermieden werden.
  • Auch heute kommt es gelegentlich nach Narkosen noch zu Übelkeit oder Erbrechen. Mit modernen Überwachungsmethoden lässt sich dieses Risiko jedoch weiter verringern. Mit den modernen Medikamenten gegen Übelkeit kann diese außerdem recht zuverlässig behandelt werden.
  • Bei der Ein- und Ausleitung der Narkose kann es zum Eindringen von Sekreten in die Lunge kommen, weil Schluck- und Hustenreflexe kurzfristig unterdrückt sein können.
  • Nach der Narkose gelten Sie nicht als „straßenfähig“. Zu Hause muss eine Begleitperson zur Verfügung stehen.

Meine persönliche Empfehlung:

  • Eine Vollnarkose ist für alle Eingriffe ein sehr geeignetes, verträgliches und sicheres Verfahren. Ausnahmen können sich aus dem persönlichen Vorbereitungsgespräch ergeben.
  • Meinem eigenen Kind würde ich lieber eine Serie von kurzen Vollnarkosen zumuten, als bspw. eine Reihe traumatisierender schmerzhafter Eingriffe (typisches Beispiel: Verbandswechsel nach flächigen Hautverbrennungen).
  • Oft ist es sinnvoll, die Vollnarkose mit einem lokalen oder regionalen Betäubungsverfahren zu kombinieren, um Narkosemedikamente einzusparen und die Schmerzstillung nach dem Eingriff zu verbessern. Das bewährt sich insbesondere in der ambulanten Chirurgie.
  • Bei Eingriffen an Händen und Unterarmen halte ich eine Plexusanästhesie häufig für geeigneter.
  • Bei Eingriffen in Vollnarkose, die länger als 15 min. dauern, lohnt sich der Einsatz der EEG- gesteuerten Narkose, weil sich eine dadurch erzielte Einsparung von Narkosemitteln erst im Rahmen der fotgesetzten Medikamentengabe auswirkt. Je höher Ihr Körpergewicht ist und je länger der Eingriff dauert, umso lohnenswerter ist diese Technik für Sie.