Bitte informieren Sie sich zusätzlich über die Verhaltensvorschriften vor und nach der Sedierung. Dabei gelten die gleichen Vorschriften, wie bei einer Vollnarkose. Dazu können Sie sich auf unserer Downloadseite die Aufklärungsbögen herunterladen.


Was versteht man unter „Sedierung“?

Der Begriff Sedierung leitet sich vom lateinischen Wort „sedare“ ab, was so viel heißt, wie „sinken lassen“. Damit ist gemeint, dass ein Mensch ruhig – oder beruhigt – wird.

Im weitesten Sinne bewirken bereits die Anwesenheit und der Zuspruch einer Vertrauensperson eine solche Beruhigung. Auch gibt es Verfahren der Hypnose, die eine Sedierung im Rahmen eines operativen Eingriffs bewirken können.

Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff jedoch die Dämpfung von Funktionen des zentralen Nervensystems durch ein Medikament (Sedativum). Dabei kann es sich um einen Tranquilizer (Beruhigungsmittel) oder um ein Hypnotikum (Bewusstsein ausschaltendes Medikament) handeln.
Wird gleichzeitig ein Schmerzmittel (Analgetikum) verabreicht, spricht man von einer „Analgosedierung“.
Eine Sonderform ist die (klassische) Neuroleptanalgesie, bei welcher ein Schmerzmittel und ein Neuroleptikum kombiniert verabreicht werden.
Eine weitere Sonderform ist die Ataranalgesie, bei welcher ein Angstlöser (Ataraktikum) und ein Analgetikum (im speziellen Fall die Substanz „Ketamin“) verabreicht werden.

Weil bei tiefen Sedierungen der Übergang zu einer Vollnarkose fließend sein kann, empfehlen die ärztlichen Fachgesellschaften, dass Sedierungen von einem Anästhesisten oder zumindest von einer entsprechend geschulten Fachkraft durchgeführt werden, die nicht gleichzeitig mit dem operativen oder diagnostischen Eingriff beschäftigt ist.

Vorteile einer Sedierung:

  • Der diagnostische oder therapeutische Eingriff kann aufgrund der verbesserten körperlichen Ruhe des Patienten schneller und oft auch mit besserem Ergebnis durchgeführt werden.
  • Ängste werden vermindert.
  • Herzfrequenz und Blutdruck steigen weniger stark an. Damit verbundene Risiken werden vermindert.
  • Das psychische Trauma eines Eingriffs kann vermindert werden.
  • Die Erinnerung an eine Maßnahme kann vermindert oder teilweise gelöscht werden.
  • Je nach verwendetem Medikament (Sedativum) ist die „Straßenfähigkeit“ des Patienten sehr schnell wiederhergestellt. Das gelingt insbesondere, wenn man zur Sedierung ein Hypnotikum (Propofol) verwendet, welches eigentlich für Narkosezwecke entwickelt worden ist.

Nachteile und Risiken einer Sedierung:

  • Je „tiefer“ die Sedierung ist, je mehr sie also den Patienten von der Umgebung und dem Stress des Eingriffs abschirmt, umso stärker werden auch natürliche Schutzreflexebeeinträchtigt. Das kann zu Problemen der Atmung führen oder zur Beeinträchtigung der Sauerstoffversorgung des Organismus. Es kann zum Eindringen von Sekreten in die Lunge kommen, weil Schluck- und Hustenreflex teilweise unterdrückt sein können. Deshalb ist eine besonders engmaschige Überwachung dieser Funktionen nötig.
  • Die tiefe Sedierung mit Propofol ist eine „Gratwanderung“. Der Übergang zur Vollnarkose geschieht manchmal recht unerwartet und erfordert dann die Unterstützung der Atmung bis hin zur mechanischen Beatmung
  • Eine „flache“ Sedierung – beispielsweise mittels Tranquilizer, den man auch als Tablette einnehmen kann – wirkt ziemlich lange nach, sodass Patienten zwar durchaus in Begleitung nach Hause entlassen werden können, ihre volle Zurechnungsfähigkeit aber erst am Folgetag wiedererlangen.
  • Gelegentlich kommt es unter der Wirkung von Tranquilizern zu paradoxen Wirkungen mit vermehrter Unruhe und Bewegung bei gleichzeitigem Kontrollverlust des Patienten.

Meine persönliche Empfehlung:

  • Sedierungen mit Tabletten oder intravenös verabreichten Tranquilizern empfehle ich für diagnostische Maßnahmen, wenn diese anders nicht durchführbar sind. Ein typisches Beispiel ist die Sedierung, damit ein Patient mit Platzangst während einer Untersuchung im Kernspintomografen ruhig liegt.
  • Sedierungen mit Hypnotika, die nur zu Narkosezwecken zugelassenen sind, sollten meines Erachtens sehr zurückhaltend angewendet werden. Die Risiken einer solchen Sedierung bei größeren oder länger andauernden Eingriffen im Bereich der Mundhöhle oder bei Eingriffen an den Atemwegen schätze ich höher ein, als die Risiken bei einer Vollnarkose mit assistierter oder kontrollierter Beatmung über eine Kehlkopfmaske oder einen Tubus.
  • Aus diesem Grund halte ich es auch meistens nicht für sinnvoll, auf ein Sedierungsverfahren (möglicherweise auch noch ohne Anästhesisten) auszuweichen, wenn bereits ein Anästhesist die Narkose bei einem Patienten aufgrund des allgemeinen Risikos abgelehnt hat.
  • Die Sicherheitsvorkehrungen bei einer tiefen Sedierung sollten zumindest den Minimalanforderungen einer Narkosevorbereitung und -überwachung genügen.