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Bitte informieren Sie sich zusätzlich über die Verhaltensvorschriften vor der Anästhesie und die Anweisungen nach der Anästhesie. Dazu können Sie sich auf unserer Downloadseite die Aufklärungsbögen herunterladen.


Was versteht man unter Armplexusanästhesie?

Hierbei handelt es sich um ein sog. Regionalanästhesieverfahren. Dafür werden Medikamente, die Nerven betäuben können, dicht an ein Nervengeflecht oder eine Nervenbahn injiziert, um auf diese Weise eine ganze Körperregion taub, also gefühllos zu machen.

Bei der Armplexusanästhesie betäubt man ein Nervengeflecht, welches im Bereich zwischen der Halswirbelsäule und der oberen Brustwirbelsäule entspringt und sich bis in die Achselhöhle hinein erstreckt.

Bei der Durchführung der Plexusanästhesie liegen Sie auf dem Rücken. Zunächst wird mit einer sehr feinen Kanüle eine Hautstelle in der Achselhöhle oder unterhalb des Schlüsselbeines betäubt. Manchmal wählt man auch einen Bereich an der Halsseite aus. Danach wird eine Spezialkanüle durch den betäubten Hautbereich etwas in die Tiefe vorgeschoben. An dieser Kanüle ist ein Impulsgeber angeschlossen, der rhythmisch schwache elektrische Reize über die Kanülenspitze abgibt. Gelangt die Kanülenspitze in die Nähe der Armnerven, führen die zugehörigen Muskel unwillkürliche Bewegungen aus. Anhand der Bewegung kann der Arzt ermitteln, ob die Kanüle nahe genug an den Nerven liegt, die das geplante OP- Gebiet versorgen. Erst wenn das der Fall ist, wird eine größere Menge Betäubungsmittel injiziert. Dadurch werden nach einer Einwirkzeit von etwa 30 min. die Gefühlsempfindungen und die Muskelkraft im Arm unterdrückt.

Auf diese Weise kann nun schmerzfrei operiert werden. Sie sind dabei wach und ansprechbar. Es wird aber sicher gestellt, dass Sie von der Operation nichts mitbekommen. Wenn Sie es mögen, können Sie sogar über einen Kopfhörer Ihre Lieblingsmusik hören und sind dann auch von den Geräuschen im OP angeschirmt.

Auf Wunsch des Patienten oder gelegentlich auch aus medizinischen Gründen verabreichen wir zusätzlich Medikamente, die einen schlafähnlichen Zustand erzeugen.

Erfahren Sie hier mehr über die moderne EEG- gesteuerte Narkose und ihre Vorteile

Nach der Operation in Plexusanästhesie werden wir Sie gerne noch im Aufwachraum betreuen, bis Sie sich so gut erholt haben, dass wir Sie mit gutem Gewissen entlassen können. Die meisten Patienten benötigen jedoch keine Nachbetreuung mehr im Aufwachraum. Der Arm bleibt im Anschluss noch mehrere Stunden lang betäubt und wird durch eine Armschlinge gehalten. Oft legen die Chirurgen zusätzlich eine Unterarmschiene an.

Vor der Entlassung haben Sie noch jeweils ein kurzes Gespräch mit dem Chirurgen und mit dem Anästhesisten. Dabei werden Ihnen auch die Regeln für das Verhalten auf dem Heimweg und zu Hause noch einmal erläutert.

Vorteile einer Plexusanästhesie:

  • Bei einer Regionalanästhesie wird die Leitung der Nervensignale in einem Bereich blockiert, wo sie noch nicht das Rückenmark erreicht haben. Dadurch wird nicht nur die Empfindung und Bewegung ausgeschaltet, auch Reaktionen des Rückenmarkes auf den Operationsreiz finden nicht statt. Dadurch wird vermutlich das Risiko verringert, dass bestimmte eigenständige Schmerzerkrankungen als Operationsfolge auftreten.
  • Viele Menschen bevorzugen es, dass sie bei vollem Bewußtsein bleiben können und keine Narkosemedikamente verwendet werden.

Nachteile und Risiken einer Plexusanästhesie:

  • Das Risiko, durch eine Plexusanästhesie einen ernsthaften Schaden zu erleiden, ist kleiner als die Gefahren einer Autofahrt.
  • Allergien auf die verwendeten Betäubungsmittel können zwar auftreten, sind aber sehr selten.
  • Selten kann es vorkommen, dass der gewünschte Betäubungseffekt nicht ausreicht. In solchen Fällen kann durch eine ergänzende Injektion an einen einzelnen Nerven oder direkt in die Nähe des OP- Gebietes noch eine gute Betäubung erzielt werden. Sehr selten muss als Erweiterung des Verfahrens doch noch eine Allgemeinanästhesie eingeleitet werden.
  • Ein spezifisches Risiko der Plexusanästheseie in der Achselhöhle besteht darin, dass eine Arterie durch die Kanüle getroffen wird, aus der es in das Körpergewebe und in die Nervenumgebung bluten kann, mit der seltenen Folge von bleibenden Nervenschäden.
  • Ein spezifisches Risiko der Plexusanästhesie im Bereich des Schlüsselbeines und der Halsseite besteht darin, dass es zu einer punktförmigen Verletzung in den Strukturen kommen kann, welche die Lunge umhüllen. Dadurch kann es verzögert dazu kommen, dass Luft aus der Lunge in die Umhüllung der Lunge eindringt und dadurch ernsthafte Atem- und Kreislaufprobleme entstehen (sog. Pneumothorax). Diese Komplikation ist zwar äußerst selten, wenn sie auftritt, ist es jedoch erforderlich, dass sofort eine ärztliche Kontrolle stattfindet. Ggf. müsste dann mit einem Eingriff, der einen stationären Krankenhausaufenthalt nach sich ziehen würde, die eingedrungene Luft abgesaugt werden.
  • Als wenig gefährliche, aber lästige Nebenwirkung kann es dazu kommen, dass andere Nerven mit betäubt werden und dadurch die Stimme für einige Stunden versagt, oder die Nase verstopft ist, und/ oder das Auge auf der betroffenen Seite für einige Stunden nicht richtig scharf sehen kann.

Meine persönliche Empfehlung:

  • Eine Plexusanästhesie ist für alle Eingriffe am Unterarm und an den Händen ein sehr geeignetes, verträgliches und sicheres Verfahren. Ausnahmen können sich aus dem persönlichen Vorbereitungsgespräch ergeben.
  • Als Schmerztherapeut werde ich häufig mit der Schmerzkrankheit CRPS konfrontiert. Ein CRPS kann nach Verletzungen und Operationen an Hand und Unterarm auftreten. Es gibt Befunde, die dafür sprechen, dass das Risiko für das Auftreten eines CRPS halbiert werden kann, wenn anstatt einer (oder zusätzlich zur) Vollnarkose ein Regionalanästhesieverfahren angewendet wird.
  • Oft ist es sinnvoll, sogar eine Vollnarkose mit einem lokalen oder regionalen Betäubungsverfahren wie der beschriebenen Plexusanästhesie zu kombinieren, um auf diese Weise Narkosemedikamente einzusparen, die Schmerzstillung nach dem Eingriff zu verbessern und das erwähnte CRPS- Risiko zu minimieren. Diese Vorgehensweise ist zwar aufwändig, bewährt sich aber insbesondere in der ambulanten Chirurgie.

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